Schrift:  Standard  |  Groß
 

Geschichte von KINDBERG

 


 

"Nur wer sich auf den Weg macht, wird neues Land entdecken."
Hugo von Hofmannsthal


In einem von der Urbevölkerung, dann den Kelten, Römern und später den Slawen nur dünn besiedelten Gebiet ließen sich vom 8. Jahrhundert an bayrische Siedler nieder. Die Herren von "Mürze" leiteten die Kolonisierung und Rodung im 12. Jahrhundert. Sie ließen eine Eigenkirche westlich des späteren Ortes errichten, wo auf einem Felssporn ein römisch-keltisches Relief gefunden wurde. Dieser Römerstein zeigt ein Mädchen in norischer Tracht, in kultischer Pose dargestellt.

 

Im Altdeutschen wurde das Mädchen bzw. die Jungfrau mit "chint" bezeichnet. Die felsige Anhöhe erhielt zunächst den Namen Kindberg. Da die Kirche dem hl. Georg geweiht wurde, bürgerte sich in dieser betont christlichen Ausrichtung der Name Georgiberg ein.

 

Die Sage erzählt aber, dass ein Kind, das ein Hochwasser mit sich riss, völlig unversehrt in Kindberg angespült wurde. Man fand es dort in einem Korb, mit einer Blume spielend auf der Wiese sitzen.

 

Schon früher hat man den Ort so genannt, weil er am Kindberg lag. Die Pfarrkirche und der Markt Kindberg werden urkundlich erstmals 1232 erwähnt. Der Verkehr über den Semmering nach und von Wien auf der sogenannten "Venedigerstraße" ließ die Siedlung zu einem Markt anwachsen, der dem Landesfürsten unterstand.

 

Von Rudolf von Habsburg stammt das Marktrecht von 1281.

 

Auf dieser Straße kam schon im Jahre 1227 der steirische Minnesänger Ulrich von Lichtenstein als "Frau Venus" mit prunkvollem Gefolge durch Kindberg. Die Adelsfamilie der Schrott öffnete während der Reformation die Schloßkapelle den "Lutherischen".


Die Oberkindberger Grafen Inzaghi, welche die Gegenreformation förderten, haben den Kalvarienberg südwestlich von Kindberg gestiftet, der nach 1674 errichtet worden ist. Sie ließen ihr Schloß im barocken Stil erbauen und in den Jahren 1773 bis 1774 von Martin Rottmayr umgestalten. 

 

Aus dieser Zeit stammt auch das reizvolle Schloss Friedau in Kindtal. Auf die Grafen Inzaghi folgten die Grafen Attems, bis durch Heirat der Name Graf Spiegelfeld in der 2. Hälfte unseres Jahrhunderts Einzug hält. Töpfer und Lederer werden hier schon im Mittelalter bezeugt. Die Sensenschmiede hat im Ort vier Hämmer und ihren Innungssitz. Kindberg wird dadurch zu einer stattlichen Gemeinde. Gaststätten gab es genug.

 

So erlangte der Fremdenverkehr im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine große Bedeutung. Freundlichkeit und Tüchtigkeit der Bewohner, ihre Daseinsfreude, Originalität und Musikalität machten Kindberg zu einer weithin bekannten Sommerfrische. Der Volksliedersammler und Komponist J.E. Schmölzer (1812 - 1886) wirkte hier, der Dichter Peter Rosegger (1843 - 1918) war oft zu Besuch. Seine Besuche in der Apotheke, beim Buchhändler Hauser und beim Eisenhammer hat er beschrieben. Der Erfinder August Musger (1868 - 1929) verbrachte hier seine Kindheit und Jugend. Der Zeichner und Maler Hubert Pilch (1893 - 1974) wirkte auch als Chronist. Der letzte Krieg veränderte vieles. In dieser Zeit waren des öfteren deutsche Wehrmachtseinheiten einquartiert.

 

Nach der Besetzung durch die Sowjetarmee im Mai 1945 folgte die Britische. Die Eisenindustrie, die sich aus dem Hammerwerk in Aumühl entwickelt hatte - noch im vorigen Jahrhundert - bestimmte lange Zeit das Ortsgeschehen. Eine Lodenfabrik machte nach kurzem Bestehen der Fabrik Schrack Elektronik Platz. Bis 2004 bestanden hier die Firmen Flextronics International Ges.m.b.H und Artesyn Austria Ges.m.b.H. Heute bestehen hier einige Gewerbebetriebe und es wird laufend versucht, alle Flächen an weitere Gewerbebetriebe zu vermieten. Das Eisenwerk Aumühl der Voest Alpine hat sich gänzlich auf die Erzeugung von Nahtlosrohren samt Zubehör umgestellt und liefert seine Produkte in alle Welt. Seit 1969 gibt es das Oberstufenrealgymnasium Kindberg.

 

Heute ist Kindberg auch durch seinen "Zunftbaum" berühmt. Nach altem Brauch wurde der Maibaum als sichtbares Zeichen von Fröhlichkeit, Freude und Lebenskraft errichtet. Er ist Ehrenzeichen und Glücksbringer zugleich. Während früher an den seitlichen Leisten die Innungszeichen angebracht waren, hat man später die wichtigsten Berufe figural dargestellt und durch einen Hochzeitszug ergänzt.


Dieser Zunftbaum bildet schon seit Jahrzehnten das Wahrzeichen von Kindberg. Der Wintersport hat sich im Laufe des Jahrhunderts zu einem wichtigen Tourismuszweig entwickelt. In Kindberg entstanden 2 Schilifte und 2 Liftanlagen am Herzogberg. Naturrodelbahnen und Eislaufplätze ergänzen das Angebot. Der Ort verstand es immer zu feiern. Seine Feste und Kirchtage in der Blumenstadt sind weithin bekannt. Kindberg (Stadtrecht seit 1982) ist eine beliebte Einkaufsstadt für die ganze Region.